Als Petra und ich anfingen zusammenzuarbeiten, arbeitete sie als Personalverwalterin bei einer städtischen Behörde. Ihr großes Ziel war es, endlich den Sprung vom mittleren Management in eine Führungsposition zu schaffen.
Dann bekam ihre Abteilung den Auftrag, eine neue Initiative für Vielfalt und Inklusion zu entwickeln. Petra übernahm freiwillig die Präsentation für ihren Chef.
Das Ergebnis?
Die Präsentation kam so gut an, dass sie nicht nur Führungskräften in der gesamten Stadt gezeigt wurde – Teile davon wurden später sogar öffentlich für die Kampagne verwendet. Ihr Chef lobte sie überall für ihre Arbeit.
Objektiv betrachtet hatte Petra also ganze Arbeit geleistet. Doch als sie mir davon erzählte, sagte sie nur:
„Ach, das war doch nichts Besonderes. Ich habe die Präsentation total schnell zusammengeschustert. Eigentlich hätte sie viel besser sein können.“
Statt stolz auf ihren Erfolg zu sein, redete sie ihn sofort klein.
Warum? Weil Petra unter dem ImposterSyndrom litt.
Was ist das ImposterSyndrom?
Das ImposterSyndrom beschreibt das Gefühl, den eigenen Erfolg nicht wirklich verdient zu haben.
Menschen mit ImposterSyndrom bekommen:
- Lob
- Anerkennung
- Beförderungen
- positives Feedback
und glauben trotzdem:
- nicht kompetent und intelligent genug zu sein
- ihren Erfolg nicht verdient zu haben
- irgendwann „entlarvt“ zu werden
Sie schreiben ihre Leistungen häufig Glück, Zufall oder Timing zu – statt den eigenen Fähigkeiten. Genau das passierte auch bei Petra.
Obwohl ihre Arbeit hervorragend war und objektiv anerkannt wurde, konnte sie den Erfolg innerlich nicht annehmen.
Warum das ImposterSyndrom so belastend ist
Das Problem beim ImposterSyndrom ist nicht nur der Selbstzweifel selbst. Es ist der ständige Kreislauf dahinter. Denn viele hochsensible Frauen erleben immer wieder dieselbe emotionale Abfolge.
Der typische Kreislauf des ImposterSyndroms
Alles beginnt mit einer neuen Herausforderung.
Zum Beispiel:
- ein neues Projekt
- eine Präsentation
- mehr Verantwortung
- eine schwierige Aufgabe
Sofort tauchen Gedanken auf wie:
- „Was, wenn ich scheitere?“
- „Ich bin nicht gut genug.“
- „Die merken bestimmt bald, dass ich keine Ahnung habe.“
Diese Gedanken erzeugen Stress, Druck und Angst. Darauf reagieren viele Menschen auf zwei Arten:
Perfektionismus
Sie versuchen, alles perfekt zu machen.
Sie:
- kontrollieren ständig ihre Arbeit
- bereiten sich extrem vor
- zerdenken jede Kleinigkeit
- machen Überstunden
Das Ziel: Bloß keinen Fehler machen.
Oder Vermeidung
Andere reagieren genau andersherum.
Sie:
- schieben Aufgaben auf
- vermeiden Verantwortung
- ziehen sich zurück
- machen sich klein
Denn jeder mögliche Fehler fühlt sich wie ein Beweis dafür an, „nicht gut genug“ zu sein.
Das Verrückte daran: Der befürchtete Zusammenbruch passiert fast nie
Menschen mit ImposterSyndrom leisten häufig trotzdem hervorragende Arbeit.
Sie bekommen positives Feedback.
Sie liefern Ergebnisse.
Sie werden gelobt.
Doch statt diesen Erfolg anzunehmen, denken sie:
- „Das war nur Glück.“
- „Ich hatte einfach gutes Timing.“
- „Beim nächsten Mal klappt das bestimmt nicht mehr.“
Und genau dadurch beginnt der Kreislauf wieder von vorne.
Wie du den Kreislauf durchbrechen kannst
Der erste Schritt ist, deine Muster überhaupt zu erkennen.
Sobald du bemerkst, dass du deine Erfolge automatisch kleinredest oder dich selbst infrage stellst, kannst du bewusst gegensteuern.
Hier sind drei einfache Möglichkeiten:
1. Stoppe deine Gedankenspirale bewusst
Wenn du merkst, dass du dich in Selbstzweifeln verlierst, unterbrich den Moment aktiv.
Zum Beispiel mit:
- einem bewussten „Stopp“
- einem tiefen Atemzug
- einem kleinen körperlichen Signal wie einem Gummiband am Handgelenk
Das hilft dir, wieder in die Realität zurückzukommen.
2. Erkenne deine typischen Gedanken
Viele Menschen mit ImposterSyndrom haben wiederkehrende innere Sätze wie:
- „Ich schaffe das nicht.“
- „Ich bin nicht gut genug.“
- „Andere sind kompetenter.“
Sobald du diese Gedanken erkennst, kannst du lernen, sie weniger ernst zu nehmen.
3. Stelle dir bessere Fragen
Frage dich stattdessen:
- Was würde ich einem guten Freund in dieser Situation sagen?
- Wenn ich wüsste, dass alles gut ausgehen würde, wie würde sich meine Sichtweise verändern?
- Welche Fähigkeiten haben mir bisher geholfen?
- Wann habe ich ähnliche Herausforderungen schon gemeistert?
- Was spricht objektiv dafür, dass ich kompetent bin?
- Welcher Gedanke würde mich meinen Zielen näher bringen ?
- Welche anderen Aspekte habe ich noch nicht berücksichtigt?
Diese Fragen helfen dir dabei, deine eigene innere Weisheit zu erschließen und herauszufinden, was für dich am besten funktioniert.
Das verändert Schritt für Schritt deinen Blick auf dich selbst.




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